Schnellschuss in der Ausbildung?! Sackgasse in Saarbrücken

Pressemitteilung
In vier Jahren von der Schulbank zur Fachpflegekraft für Intensivpflege und Anästhesie? Die Lage auf den Intensivstationen und im OP ist angespannt. Händeringend suchen die Krankenhäuser nach qualifizierten Fachpflegenden. Zudem wird der Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums zur Forderung nach „Personaluntergrenzen in pflegesensitiven Bereichen“ die Personalmisere in den Kliniken steigern.

In dieser Situation sich wieder alter Rezepte wie eine Beschleunigung der Ausbildung bis zur Fachpflegekraft zu bedienen, bringt mehr Probleme mit sich, als dass es sie löst. Im Gegensatz zu den Versuchen mit einer grundständigen Intensivpflegekraft (IPK) à la Südwestkliniken ohne Anerkennung irgendeiner beruflichen Qualifikation oder dem Frankfurter Versuch direkt nach dem Krankenpflegeexamen einen einjährigen Pflegeexperten für die Intensivstation auszubilden, wird das Klinikum Saarbrücken dieses Jahr eine staatlich anerkannte vierjährige Krankenpflegeausbildung in Kombination mit der Fachweiterbildung anbieten.

Diese Ausbildung erfüllt zwar die formalen Voraussetzungen der Krankenpflegeausbildung und der landesrechtlichen Weiterbildungsverordnung des Saarlandes, aber bei weitem nicht die anderer Landesverordnungen und der DKG-Empfehlungen. Von daher besteht in vielen Bundesländern auch keine Aussicht auf Anerkennung der Fachweiterbildung. Selbst wenn es gelingt, in den vier Jahren durch geschickte curriculare Umsetzung die gleichen theoretischen Grundlagen zu vermitteln, kann die Umsetzung der praktischen Anleitung nie an das heranreichen, was in drei Jahren Krankenpflegeausbildung und zwei Jahren Fachweiterbildung mit rotierenden Einsätzen möglich ist. Es steht zu befürchten, dass dadurch nicht wie gewünscht zusätzliche Kräfte für die Intensivstationen akquiriert werden können, sondern durch Überforderung und falschen Ehrgeiz die Absolventen dem Berufsfeld mittelfristig verloren gehen.

“Wir wollen und müssen – gerade auch im Sinne der Patientensicherheit und zum Schutz unserer jungen Pflegekräfte – an der zweijährigen Fachweiterbildung festhalten und sehen den Schnellschuss wie in Saarbrücken als Sackgasse“, so der Vorsitzende der DGF Lothar Ullrich.
Als Alternative spricht sich die DGF mit Nachdruck dafür aus, schon während der Krankenpflegeausbildung Einsätze auf den Intensivstationen zu ermöglichen, um so den Auszubildenden die Attraktivität der Intensivpflege erleben zu lassen.

Verabschiedet vom Vorstand der DGF e.V. am 17.Mai 2017

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Die DGF ist als gemeinnütziger, eingetragener Verein die nationale Interessenvertretung der Fachkrankenpflege und Mitglied im Deutschen Pflegerat, Mitglied der IFNA (International Federation of Nurse Anesthetists) und der EfCCNa (European Federation of Critical Care Nurse Association).

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