Pressemitteilung zur geplanten Auflösung der Pflegekammer in Niedersachsen

PRESSEMITTEILUNG
Uns fehlen die Worte…
Am 01.01.2017 ist das Gesetz über die Pflegekammer in Niedersachsen in Kraft getreten. Im Dezember 2019 verkündete Carola Reimann als niedersächsische Sozialministerin: „Ich bin der Meinung, wir brauchen eine gute, klare Vertretung der Beschäftigten in der Pflege. Ärzte, Apotheker und andere Gruppen sind bislang sehr viel besser organisiert und sehr viel deutlicher mit ihren Positionen zu hören“.
Und jetzt das Aus? Die sinnvollen Ziele einer Pflegekammer auf Landes- und Bundesebene stellen sicher, dass die Pflegeberufe ebenso wie andere Heilberufe gleich- und stimmberechtigt am politischen Entscheidungsprozess teilnehmen, die Interessen ihrer Mitglieder gebündelt vertreten, wichtige berufsspezifische Weichen stellen und die Weiterentwicklung der Pflegeberufe hinsichtlich Professionalisierung proaktiv angehen. Ein wesentliches zentrales Ziel ist dabei, eine sachgerechte, professionelle Pflege – und damit eine hohe Versorgungsqualität für alle Patientinnen und Patienten – auch in den weniger besiedelten Regionen sicher zu stellen.
Der Bericht zur Lage der Pflegefachberufe wurde von der Pflegekammer Niedersachsen 2019 aufgrund der ersten (!) Datenkompletterhebung zu einem validierten Ergebnis, danke dafür! Hier bietet sich perspektivisch (übrigens auch für die Landesregierung!) hinsichtlich des demographischen Wandels Gestaltungsmöglichkeit, sofern diese genutzt wird: Betrachtet man die Altersverteilung der Pflegefachpersonen, so sind die meisten Pflegefachpersonen über 50 Jahre alt. Bis 2034 werden voraussichtlich 35,20 – 44,7 % der aktuell in Niedersachsen tätigen Pflegefachpersonen nicht mehr im Pflegefachberuf arbeiten.
Viele davon sind in den vulnerablen und hochkomplexen Arbeitsbereichen der Intensivstationen und anhängender Funktionsbereiche beschäftigt. Diese professionell Pflegenden machen ihre Arbeit gut und sehr gut und sehen sich in ihrer Aufgabe als primärer Advokat der Patientinnen und Patienten! DAS brauchen WIR, das benötigt unsere Gesellschaft! Wir fordern eine Kontinuität der Niedersächsischen Pflegekammer mit klarer politischer, zielführender Unterstützung durch die Landesregierung bezogen auf unseren gesellschaftlichen Auftrag in Niedersachsen und 15 anderen Bundesländern.
Um es mit den Worten von Agnes Karll zu sagen: „Selbstständigkeit ohne Verantwortung gibt es nicht, das muss sich jede einzelne von uns dauernd vor Augen halten.“
Verabschiedet vom Vorstand der DGF e.V. am 9.September 2020
Die DGF ist als gemeinnütziger, eingetragener Verein die nationale Interessenvertretung der Fachkrankenpflege und Mitglied im Deutschen Pflegerat, Mitglied der IFNA (International Federation of Nurse Anesthetists) und der EfCCNa (European Federation of Critical Care Nurse Association).PM_PK_NDS